MV-Augusta

MV-Agusta Raid 250

So sieht meine Vorstellung eines MV Agusta Trialmotorrades aus:

 

 

Der Aufbau einer Trial MV Agusta

Der Versuch ein Motorrad, welches kein Mensch je freiwillig im Trial eingesetzt hat, eben für diesen Zweck herzurichten hat mich sehr gereizt. So kam es, das ich die in Deutschland recht seltene MV Raid 250 erstand. Der Urzustand ist auf der „Bilder“-Seite zu sehen. Die erschreckende Optik der „Rohmasse“ täuschte. Mechanisch waren (und sind) die meisten Teile absolut in Ordnung.

Der Rahmen ist von mir vollkommen unverändert übernommen worden. Das Vorderrad besteht aus einer Akront-Felge und einer Grimeca-Nabe. Das Hinterrad entstand aus einer MZ-Felge (hat übrigens das gleiche Profil wie Akront) und aus einer Yamaha TY250 Nabe. Passende Steckachsen und Distanzen entstanden auf einer Drehmaschine. Durch die 375 mm langen Rock-Shocks Stoßdämpfer tat sich an der Hinterhand ein höheres Niveau auf und ein brauchbarer Federweg steht zur Verfügung. Auch ergibt sich ein steilerer Lenkwinkel. Vorerst fand die ungeeignete Originalgabel Verwendung.

Der eigenhändig geschweißte Auspuff lärmt unangenehm, die Gabel ist labil und bockig und die Fußbremse läßt sich hinter dem Kickstarterarm schlecht erreichen aber sonst macht es schon einmal eine Menge Spaß. Zwei Trials verliefen prima, eines habe ich mir durch die ungewohnt knappe Bodenfreiheit versaut. Ein viertes Trial bei ca. 33° Celsius wurde mir durch einen fürchterlich laufenden Motor vermiest (und das kommt aus Italien?). Der zuerst verdächtigte Vergaser (wegen seitlicher Schwimmerkammer eh´ ungeeignet)hatte keine Schuld. Die schlecht geladene Gelbatterie war Schuld. Auf die Lichtmaschine habe ich verzichtet und so steht kein Ladestrom zur Verfügung

Der Auspuff bekam einen Endschalldämpfer aus dem Fundus. Nun klingt das Ganze moderat, wird aber noch gegen ein in Arbeit befindliches Aluteil getauscht. Der Dellorto MB24B Vergaser mußte einem Keihin weichen. Er bescherte zwar einen stabilen Leerlauf, aber eine große Verbesserung war er nicht.

Die Gabel ist mit MZ Federelementen aufgewertet (tatsächlich!). Sie funktioniert hervorragend, hat eine größere Bodenfreiheit beschert. Die ausgefedert rund 7 cm länger gewordene Gabel hat den Nachlauf über das Serienniveau gebracht aber unhandlich ist die Fuhre trotzdem nicht geworden. Die Fußbremse ist jetzt per Seilzug von der anderen Seite betätigt, verlangt jetzt keine Umgewöhnung mehr von mir und ist dem Kickstarter nicht mehr im Wege.

Die letzte Umbaustufe mit Dellorto VHBZ 22 Vergaser und englischem Alu-Schalldämpfer hat prima gelaufen und dem schlapp wirkenden Motor (Kraft hat er immer genug gehabt) zu spürbar mehr Spontanität verholfen. Der italienische Vergaser bringt den ethischen Vorteil und den Vorzug mit originalem Ansaugstutzen und Luftfilter montiert zu werden.

Ein wenig überflüssiges Material vom Rahmen entfernen, Ständer und Kettenschutz konstruieren und zuletzt standesgemäßes  Karminrot auftragen war die Winteraufgabe. Nun ist die Trial-MV „fertig“ und mein Liebling. Okay, der Radstand ist zu groß, aber sie läßt sich wegen des zu langen Nachlaufes spielend um enge Kehren zirkeln.

Inzwischen benutze ich bevorzugt die BSA (hat mehr Dampf aber ich fahre eigendlich schlechter mit ihr) und ich habe eine Aprilia RS250 angeschafft. Im Schuppen fehlt der Platz und die MV soll nicht stehen, sondern laufen. Kurz, es hat sich ein Liebhaber gefunden. Andreas Weber ist nun stolzer Besitzer und kommt gut mit der MV zurecht. Er erweist mir sogar die Ehre, sie unverändert zu lassen. So wird diese spezielle MV Agusta in Zukunft Regelmäßig bei norddeutschen Classic-Trials zu sehen sein, pilotiert von Andreas.

Steckbrief:

Fahrwerk : MV-Agusta Raid 250    Gabel: MZ 35mm in MV-Agusta Brücken   Federbeine: Rock Shocks (aus England)

Motor: MV-Agusta 247 ccm   Bohrung: 69 mm   Hub: 66 mm   Zündung: 6 V, Kontakte   Vergaser: Dellorto VHBZ 22 (bzw. Keihin PD15 ca. 24mm)

Übersetzungsverhältnisse:   Primäruntersetzung: 2,75 (28 zu 77 Zähne)   

1. Gang: 9,95   2. Gang: 5,7   3. Gang: 3,2   4. Gang: 2,1   (Gesamtuntersetzungen incl. Primärtrieb ca.)

Längen:   Hinterachse – Fußrasten: 310mm    Fußrasten – Lenkeraufn.: 920mm   Radstand: 1385mm

Höhen:   Lenkeraufnahme: 1100mm   Bodenfreiheit: 230mm   Fußrasten: 360mm   Schwingenlager: 390mm    Sitzbank: 760mm

Breiten:   Fußrasten: 305mm   Knieschluß: 150mm    Federbeine: 260mm

Gewichte:   Vorderachse: 52,5kg   Hinterachse: 64kg    Gesamt: 116,5kg